Behnhaus-Keller
Im Erdgeschoss und in den oberen Etagen zeigt sich das Behnhaus weitgehend im erhaltenen Zustand seiner Erbauungszeit um 1800 als klassizistisches Kaufmannshaus. Dass der damalige Bauherr aber keinen kompletten Neubau errichtete, sondern Teile der Vorgängerbauten nutzte, wird nun vor allem hier im Keller sichtbar: Das Behnhaus steht auf den Fundamenten zweier mittelalterlicher Häuser.
Mit der Sanierung und dem dadurch möglichen öffentlichen Zugang zum Untergeschoss ist nun die gut 800-jährige Baugeschichte ablesbar. Vom Aufzug bzw. der Treppe kommend betritt man den ältesten Bauteil, ein sogenanntes Steinwerk aus dem frühen 13. Jahrhundert. Dieser früheste hier nachweisbare Steinbau liegt einige Meter von der Königstraße entfernt. Vom Erdgeschoss wurde er von einer Treppe erschlossen, die hinter dem nördlichen rundbogigen Zugang lag. Durchschreitet man diesen, gelangt man in den ehemaligen Balkenkeller des früheren Nachbarhauses. Die auf Säulen mit Viertelstabformsteinen (Abb. 1) aufliegenden Holzbalken wurden 1928/29 durch Stahlträger und die Decke durch eine Stahlbetondecke ersetzt (Abb. 2).
Inzwischen wurde das Haus als Museum genutzt und die mittelalterliche Decke erfüllte nicht mehr die statischen Voraussetzungen. 1934 richtete die Hansestadt Lübeck in den unter der Betondecke liegenden Kellerräumen einen „Schutzraum für Luftschutzleitung“ ein (Abb. 3) und zwischen 1939 und 1942 wurde das Behnhaus als „Befehlsstelle der örtlichen Luftschutzleitung“ genutzt.
Nach dem Wiedereinzug der Gemäldegalerie ins Behnhaus diente der Keller als Lagerund Abstellraum. Zahlreiche Versorgungsleitungen wurden ohne Rücksicht auf die historische Bausubstanz und ohne Blick für deren Konservierung hier eingefügt (Abb. 4). Der vordere zur Königstraße gelegene Kellerteil wurde im späten 18. Jahrhundert wohl im Zuge des Umbaus von Fassade und Vorderhaus neu errichtet.
Die in ihrer Erscheinung und Datierung ganz unterschiedlichen Kellerabschnitte im Behnhaus haben nun verschiedene museale Nutzungen erhalten: Das Steinwerk bildet den neuen Zugang, in der Bunkeranlage befinden sich die Besucher-WCs sowie Technikräume und im jüngsten Teil zur Königstraße konnte ein Gemäldedepot eingerichtet werden. Die Glastüren erlauben Einblicke ins Depot und damit hinter die Kulissen der Gemäldesammlung.