Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch
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Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch

Das Museum Behnhaus Drägerhaus bewahrt eine bedeutende Sammlung von Gemälden und Plastiken des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne.
 
Mit Werken von Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Carl Gustav Carus und dem Lübecker Friedrich Overbeck bildet die Kunst der Romantik und der Nazarener einen Schwerpunkt der Sammlung. Die Klassische Moderne ist u. a. durch Gemälde von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Gotthardt Kuehl, Ernst Ludwig Kirchner und vor allem Edvard Munch, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Lübeck tätig war, repräsentiert.
 
Der eigene qualitätvolle Sammlungsbestand konnte in den vergangenen Jahren durch kostbare Leihgaben aus einer norddeutschen und einer Berliner Privatsammlung sinnvoll ergänzt werden. So kann der Besucher an Hand von exemplarischen Werken durch gut 140 Jahre der Geschichte der deutschen Malerei wandern.
 
Einen Ausgangspunkt bildet das Werk Caspar David Friedrichs, dessen Landschaftskunst religiöse, weltanschauliche und auch politische Inhalte veranschaulicht. Mit vier Gemälden ist der große Romantiker im Behnhaus vertreten. Zum Kreis der Dresdner und Berliner Romantik zählen zudem Carl Gustav Carus, Johan Christian Clausen Dahl und Carl Blechen. Carus berühmtes „Atelierfenster“, das die Entstehung romantischer Landschaftskunst im Atelier veranschaulicht, ist ein regelrechtes Programmbild der Romantik.
 
Eine andere Facette der Kunst der Romantik zeigt sich im Werk des in Lübeck geborenen Johann Friedrich Overbeck. Als Gründungsmitglied des Lukasbundes und Haupt der Nazarener stehen seine Werke exemplarisch für die religiöse Figurenmalerei des 19. Jahrhunderts. Sein „Selbstbildnis mit Bibel“, „Die Auferweckung des Lazarus“ oder das „Familienbild“ zählen zu Overbecks Hauptwerken. Wie Berlin, Dresden und München besitzt Lübeck neben Ölbildnern auch eine bedeutende Sammlung nazarenischer Kartons.

Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bildet die Landschafsmalerei. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war diese „der Sehnsucht nach dem Süden“ verpflichtet in erster Linie auf italienische Motive ausgerichtet. Vor allem Rom war das Ziel vieler deutscher Künstler vor und nach 1800. Werke von Martin von Rohden, Ernst Fries bis hin zu Carl Rottmann finden sich in der Sammlung.

Eine bedeutende Sammlung von Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts zählt ebenso zur Sammlung und wird exemplarisch in Sonderausstellungen präsentiert. Rund 300 Objekte aus dieser Sammlung finden Sie auf den Internetseiten des Projektes digiCULT. digiCULT Museen SH ist ein Projekt zur digitalen Erfassung und Publikation ausgesuchter Museumsbestände des Landes Schleswig-Holstein, das als digiCULT-Verbund eG weitergeführt wird.
 
Johann Gotthardt Kuehl ist mit einer Gruppe von Gemälden vertreten, die gleichwertig neben den naturalistischen und impressionistischen Werken seines Freundes und Wegbegleiters Max Liebermann stehen. Kuehl, einer der wichtigsten deutschen Impressionisten, brachte Lübeck-Motive in die internationale Malerei.
 
Dank großzügiger Leihgaben ist Lovis Corinth, der große Vertreter des deutschen Impressionismus, mit wichtigen Werken präsent, seine kraftvolle, mit expressivem Pinselstrich ausgeführte Malerei führt bereits über die impressionistische Sichtweise hinaus und weist den Weg in den Expressionismus.
 
Die Aktion „Entartete Kunst" hat 1937 das Behnhaus wesentlicher Kunstwerke beraubt. Dennoch sind entscheidende Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, August Macke, Max Beckmann, Paula Modersohn-Becker und Ernst Barlach wieder vertreten.
 
Der letzte Raum dieser Galerie ist Edvard Munch gewidmet. Der Lübecker Sammler Max Linde war 1902 auf Munch aufmerksam geworden und hatte den Norweger nach Lübeck eingeladen. Zwischen 1902 und 1907 war Munch mehrfach in der Hansestadt tätig. Neben „Travemünder Häusern“ und zahlreichen druckgrafischen Arbeiten schuf Munch hier 1903 das berühmte Gemälde „Die Söhne des Dr. Linde“.

Die historischen Räume, in denen die Sammlung des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne präsentiert wird, machen das besondere Ambiente dieses Museums aus. In dieser Kombination ist es ein kulturgeschichtliches Gesamtkunstwerk.

Munch

Die Karriere des großen norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944), des Vorreiters der Moderne, ist eng mit Lübeck verbunden. Es ist das Verdienst des Lübecker Augenarztes Dr. Max Linde, Munch nach Lübeck geholt zu haben. Er wurde sein erster Förderer in Deutschland und sein verständnisvoller Freund. Max Linde besaß in seiner Villa an der Ratzeburger Allee, dem heutigen Standesamt, eine Kunstsammlung internationalen Ranges. Vorrangig galt sein Interesse den französischen Impressionisten und in besonderer Weise dem Bildhauer Auguste Rodin.

1902 lernte er Edvard Munch und sein Werk in Berlin kennen. Tief beeindruckt von dem Werk des Norwegers, lud Linde ihn nach Lübeck ein, damit der Künstler seine Familie und seine Villa mit dem weitläufigen Park in einer Reihe von druckgraphischen Arbeiten festhalte. So entstand die berühmte „Linde-Mappe" von 1902. Im selben Jahr schrieb Max Linde die einzige Schrift, die er einem Künstler gewidmet hat: „Edvard Munch und die Kunst der Zukunft". Darin prophezeit er, dass Munch die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägen werde. 1903 kam Munch wieder nach Lübeck, um das Bild der vier Söhne des Dr. Linde zu malen, ein Werk, das heute zu seinen bedeutendsten Gemälden gehört und als das wichtigste Gruppenbild des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann.

In der Folgezeit kam Edvard Munch bis 1907 immer wieder in die Hansestadt, insgesamt siebzehn Mal. Er erhielt weitere Aufträge von Max Linde und suchte sich selbst Motive in der Hansestadt und der Umgebung. Er malte mehrfach Max Linde, die Kinder, den Park und die Kunstwerke darin, Ansichten von Lübeck, Travemünde und der Umgebung. Den so genannten Linde-Fries, eine Reihe von Gemälden für das Kinderzimmer, allerdings lehnte der Auftraggeber ab (alle Werke siehe: Katalog „Edvard Munch in Lübeck").

Lindes Sammlung war Treffpunkt internationaler Kunstkenner. So wurden auch die Gemälde von Edvard Munch bekannt, die er für Linde geschaffen hatte. Der Maler erhielt bedeutende Folgeaufträge und konnte so den Grundstein für seine internationale Karriere legen.

Friedrich

Caspar David Friedrich
(* 5. September 1774 in Greifswald; † 7. Mai 1840 in Dresden)
Caspar David Friedrich, dessen Landschaftskunst religiöse, weltanschauliche und auch politische Inhalte veranschaulicht, ist mit vier Gemälden im Behnhaus vertreten. Zum Kreis der Dresdner und Berliner Romantik zählen zudem Carl Gustav Carus, Johan Christian Clausen Dahl und Carl Blechen. Carus berühmtes „Atelierfenster“, das die Entstehung romantischer Landschaftskunst im Atelier veranschaulicht, ist ein regelrechtes Programmbild der Romantik.

Kuehl

Mit den Werken des Malers Gotthardt Kuehl ist der deutsche Impressionismus exemplarisch hier im Hause vertreten. Gotthardt Kuehl verließ wie der andere bedeutende Lübecker Maler Johann Friedrich Overbeck (siehe da) seine Heimatstadt Lübeck bereits als Siebzehnjähriger. Nach seiner Ausbildung an den Akademien in Dresden und München ging er 1879 für 10 Jahre nach Paris, wo er entscheidende Impulse durch die frühen französischen Impressionisten erhielt. Ebenso prägend war für ihn die die bürgerlich-intime Innenraumdarstellung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und die des 19. Jahrhunderts. Hier waren es vor allem die Gemälde von Jozef Izraëls, die ihn nachhaltig beeindruckten.

Er formte diese französischen und holländischen Einflüsse um in einen impressionistischen Stil deutscher Prägung. Anders als die Franzosen bleibt er wie sein Freund und Wegbegleiter Max Liebermann dem Gegenstand verhaftet; die Lichtreflexe lösen nicht die Grenzen der Form im Raum auf, sondern klären sie. Der deutsche Impressionismus ist stärker naturalistisch und inhaltlich orientiert und hält im Gegensatz zu den Franzosen weitgehend an der Lokalfarbe fest.

Nach den Jahren in Paris ging Kuehl noch einmal nach München zurück. 1895 wurde er als Lehrer der Landschaftsklasse der Akademie nach Dresden berufen. Gemeinsam mit Liebermann prägte er in den folgenden Jahren entscheidend die Ausstellungspolitik seiner Zeit.

In Mittelpunkt seines Schaffens stehen zwei Motivkreise: das Intérieur und die Stadtlandschaft. Gotthardt Kuehl war es, der Lübecker Motive in die internationale Malerei einbrachte. Immer wieder kehrte er in die Hansestadt zurück, um sich hier dem spezifischem Intérieur der Lübecker Diele zu widmen. Das Bildschema des Innenraums, der sich nach hinten durch den Sonneneinfall öffnet und durch Licht- und Schattenzonen strukturiert ist, hat er vielfach variiert. Dresden, die Stadt, in der Kuehl die längste Zeit seines Lebens verbracht hat, gestaltete er über zwei Jahrzehnte hinweg aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Während Canaletto in seinen prachtvollen Veduten das topographisch korrekte Bild der Barockstadt wiedergibt, geht es Gotthardt Kuehl um die malerische Umsetzung der Architektur der Stadt im Wechselspiel des Lichtes.

Liebermann

Um 1900 trafen die drei Hauptvertreter des deutschen Impressionismus in Berlin zusammen: der in Berlin gebürtige Liebermann, Slevogt, Schüler der Münchner Akademie, und Corinth, der nach Studien in Königsberg, München und Paris seinen Hauptwohnsitz in Berlin nahm. Sie verkörperten die Avantgarde der Berliner Sezession.

Obwohl alle drei ihren Hauptwohnsitz in Berlin hatten, schufen sie sich einen Zufluchtsort für sich und ihre Malerei. Diese Umgebung, in der sie sich heimisch fühlten, gestalteten sie immer wieder im Wechselspiel der Jahres- und Tageszeiten und des Lichtes. Damit knüpften sie an die serielle Gestaltung eines Motivs an, so wie es die Franzosen, vor allem Claude Monet, vor ihnen getan hatten.

Max Liebermann erwarb 1909 am Wannsee ein Wassergrundstück und ließ dort ein Landhaus bauen. Um das „Schloss am See\\\\\\\" plante der Künstler in enger Zusammenarbeit mit dem Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark, eine Gartenanlage. Für Liebermann wurde dieser Garten zu seinem bevorzugten Motiv; er malte ihn über zweihundert Mal.

Max Slevogt hielt sich ab 1909 regelmäßig in der Pfalz, der Heimat seiner Frau, auf. Die ersten Jahre verbrachte er in Godramstein, dann erwarb er den ehemaligen Gutshof der Burg Neukastel. In der Pfalz wurde Slevogt, der Figurenmaler, zum Landschafter. Ganz im Sinne der französischen Impressionisten und Freilichtmaler notierte er intensiv das Wetter und ließ diese Beobachtungen in die Malerei einfließen, in der er immer wieder die Umgebung seines Hauses festhielt.

Ab 1918 besaß Lovis Corinth am Walchensee in Bayern ein Haus. Der See inspirierte den Maler zu über 60 Gemälden, die ihn zu einem gefeierten Landschaftsmaler machten.

Overbeck

Das Museum Behnhaus/Drägerhaus besitzt die größte Sammlung von Werken des Lübeckers Johann Friedrich Overbeck, der zu seiner Zeit internationalen Ruhm genoss. Er wurde das Oberhaupt der nazarenischen Kunst, der christlichen Figurenmalerei, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer religiösen und künstlerischen Erneuerung führen wollte.

Johann Friedrich Overbeck wurde 1889 in Lübeck als Sohn des Senators und Bürgermeisters Christian Adolf Overbeck geboren. Ganz im Sinne klassischer Bildung und eines strengen Protestantismus erzogen, ging der junge Overbeck 1806 nach Wien, um an der Akademie unter der Leitung des Klassizisten Johann Heinrich Füger Malerei zu studieren. Mit gleichgesinnten Freunden gründete er 1808 in Wien den sogenannten Lukasbund, die erste sezessionistische Bewegung in der Kunst. Die jungen Maler beriefen sich nicht mehr auf die Antike, sondern suchten ihre Leitbilder in der mittelalterlichen Kunst und in der Frührenaissance. Vorbildhaft waren ihnen Albrecht Dürer und Raffael, aus deren Geist sie die Kunst zu einer neuen Blüte führen wollten.

Nach dem Bruch mit der Akademie zogen die Lukasbrüder nach Rom und ließen sich für zwei Jahre im Kloster San Isidoro auf dem Pincio nieder. Sie lebten dort in der Tradition einer mittelalterlichen Bruderschaft. Ihre Kleidung und die Haartracht in Anlehnung an Jesus von Nazareth brachten ihnen den Spottnamen „I Nazareni" ein, ein Name, der zum Fachbegriff der religiösen Malerei des frühen 19. Jahrhunderts wurde.

Overbeck trat 1813 zum katholischen Glauben über. Den einmal eingeschlagenen Weg, der mit dem Bild „Auferstehung des Lazarus", 1808, und mit dem „Selbstbildnis mit Bibel", 1808/9, programmatisch eingeleitet wurde, hat er bis in das hohe Alter konsequent verfolgt. Er starb, hochgeehrt, 1869 in Rom. Seine Heimatstadt Lübeck erwarb für die Marienkirche zwei Gemälde des berühmten Sohnes der Stadt. Der „Einzug Christi in Jerusalem", 1824, wurde 1942 zerstört. „Die Grablegung Christi", 1845, befindet sich noch heute in der Alenkapelle der Kirche.
Edvard Munch: Die Söhne des Dr. Linde
Edvard Munch: Die Söhne des Dr. Linde
Caspar David Friedrich: Küstenlandschaft im Abendlicht
Caspar David Friedrich: Küstenlandschaft im Abendlicht
Gotthardt Kuehl: Im Lübecker Waisenhaus
Gotthardt Kuehl: Im Lübecker Waisenhaus
Max Liebermann: Bildnis Dr. Max Linde
Max Liebermann: Bildnis Dr. Max Linde
Johann Friedrich Overbeck: Selbstbildnis mit Familie
Johann Friedrich Overbeck: Selbstbildnis mit Familie
Johann Friedrich Overbeck: Selbstbildnis mit Bibel
Johann Friedrich Overbeck: Selbstbildnis mit Bibel
Lovis Corinth: Wilhelmine mit gelbem Hut
Lovis Corinth: Wilhelmine mit gelbem Hut
Carl Gustav Carus: Atelierfenster
Carl Gustav Carus: Atelierfenster
Ernst Ludwig Kirchner: Emmy Frisch im Schaukelstuhl
Ernst Ludwig Kirchner: Emmy Frisch im Schaukelstuhl
Aktuelle Termine
SO | 20.05.2012 | 11:30
Führung
Impressionen oder Impressionismus?
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DO | 14.06.2012 | 14:00
Führung
Impressionen oder Impressionismus?
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SO | 17.06.2012 | 11:00
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